Der Himmel über Berlin   I back I
     
   
R: Wim Wenders, BRD/Fra 1987

 
mit Bruno Ganz, Solveig Dommartin, Otto Sander, Curt Bois, Peter Falk u. a.  
 

Die Engel Damiel und Cassiel treten als Beobachter der Welt, insbesondere von Berlin auf. Sie können nicht in das Leben der Menschen eingreifen, können sich ihnen nicht zu erkennen geben, ihnen jedoch neuen Lebensmut einflößen. Der Wunsch, am Leben der Sterblichen teilzuhaben, ist bei Damiel so groß, dass er bereit ist, dafür auf seine Unsterblichkeit zu verzichten. Mit einer antiken Ritterrüstung als Startkapital wird er in die Welt geworfen. In einer Trapezkünstlerin, die sich scheinbar von der Erdschwere löst, findet er sein Gegenstück.

Neben einer Liebeserklärung an die Menschheit ist der Film eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit der Bundesrepublik Deutschland in den 1980er Jahren und mit der deutschen Geschichte.

 

 
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Warum ein Film mit Engeln?

Tja -- womit sonst? Ich wollte einen Film in Berlin machen, das war der Ausgangspunkt überhaupt. Dann bin ich dort herumspaziert und wußte nicht recht, über wen ich in diesem Film erzählen sollte. Bei mir gibt es eigentlich immer eine zentrale Figur, eine zentrale Blickweise, über die ich den jeweiligen Film erzähle. Und in Berlin ist mir keiner eingefallen.

Eines Tages habe ich auf meiner Suche nach einem Helden »arbeitslose Schutzengel?« in mein Notizbuch geschrieben. Aber zuerst hat mir diese Idee viel Angst gemacht, doch sie ist ganz halsstarrig dageblieben und war nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Eines Tages habe ich dann den Peter Handke angerufen und ihm erzählt, daß ich in Berlin einen Film mit Engeln machen will und daß er mir dabei helfen müsse.

Wieso denn »arbeitslose Schutzengel«? Schutzengel sind doch nie arbeitslos.

Doch, Schutzengel sind seit einiger Zeit arbeitslos. Die Arbeit ist vom Auftraggeber gestrichen worden, indem er sich mit unbekannter Adresse verzogen hat. Oder man kann natürlich auch sagen, daß die Auftraggeber der Engel die Menschen sind, das gibt es ja in allen Religionen, daß Engel die Boten zwischen Menschen und Göttern sind. Und meine Idee war, daß die Engel nun in einer Zeit leben, wo eigentlich keine Botschaften mehr ausgetauscht werden. Ich dachte, das sei eigentlich eine sehr schöne Metapher.

Heißt das, daß die gerne wieder arbeiten würden?

Ja, sicher. Sie sind die ganze Zeit auf Arbeitssuche, doch ihr Anliegen wird selten erhört. Als ich den Schauspielern am Anfang erklärt habe, wie ich mir die Rolle wünsche, hatte ich die Theorie, daß sie gerne was tun würden, daß aber zuwenig Leute überhaupt noch bereit sind, ihnen zuzuhören. Denn natürlich ist der Engel eine Metapher, und unsere Metapher war eigentlich die, daß jeder seinen Engel in sich hat -- ob man ihn nun hört oder nicht hört. Die meisten hören ihn nicht ...

DER HIMMEL ÜBER BERLIN trägt im Nachspann eine Widmung. Kannst Du etwas dazu sagen? Da steht: »Allen ehemaligen Engeln gewidmet, vor allem aber Yazujiro, François und Andrej.«

Gemeint sind Ozu, Truffaut und Tarkowskij, und das waren eigentlich immer so meine drei Erzengel. Das sind auch die drei, wo ich mir bei diesem Film gedacht habe, daß ich mich auf ihrem Territorium bewegt habe.         (Aus einem Interview mit W. W. von 1987)